Anwendungsbereich Boden und Decke

Luft- und Trittschalldämmung von Decken in Holzbauweise

Die Grundlagen der Schalldämmung von Holzbalken- und Brettstapeldecken sind nicht Inhalt dieser Broschüre, sondern werden ausführlich in der Norm DIN 4109-33 [16] dargestellt.

Zu den Decken in Holzbauweise zählen im wesentlichen Decken mit von unten sichtbaren Deckenbalken, Balkendecken mit Unterdecke sowie Deckensysteme aus verklebten oder vernagelten Brettstapelelementen, Hohlkastenelementen, Massivholzplatten usw.

Abb. 56 Dämmsystem aus Holzfaserdämmplatten und Fugenlatten für die Dielenbefestigung zur Luft- und Trittschalldämmung von sichtbaren Holzbalkendecken mit Beschwerungslage

Abb. 57 Holzfaser-Trittschalldämmplatten und Holzfaserdämmplatten als Hohlraumdämmung zur Luft- und Trittschalldämmung von Holzbalkendecken mit Unterdecke und Beschwerungslage

Holzbalkendecken mit von unten sichtbaren Deckenbalken finden vorwiegend im selbst genutzten Wohn- und Arbeitsbereich Anwendung, da ihre Luft- und Trittschalldämmung meist nicht den Ansprüchen an Wohnungstrenndecken genügt. Dies sollte aber auch bei den Erwartungen des Bauherren an die Schalldämmung im selbst genutzten Einfamilienhaus berücksichtigt werden. Aufgrund des geringen Gewichtes der Holzbalken-Rohdecke sind spürbare Verbesserungen des Schallschutzes nur durch das Aufbringen biegeweicher Beschwerungslagen, z. B. aus trockenen Betonsteinen und -platten, Ziegeln, Lehmsteinen, schweren Schüttungen usw., auf die beplankte Balkenlage zu erzielen. Bei Sichtbalkendecken mit schwimmend verlegten Trockenestrichen auf Trittschalldämmplatten (Typ DES) können damit Verbesserungen der Trittschalldämmung ΔLw,H von bis zu 26 dB erreicht werden [38].

Holzbalkendecken mit schalltechnisch wirksamen Hohlraumdämmungen (Typ DI) und Unterdecken kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn die Schallschutz-Mindestanforderungen bzw. Vorschläge für den erhöhten Schallschutz von Wohnungstrenndecken zu erfüllen sind. In Betracht kommen auch Decken, welche die Empfehlungen für normalen oder erhöhten Schallschutz in Einfamilienhäusern erfüllen sollen. Wie bei den sichtbaren Holzbalkendecken werden auch hier deutliche Verbesserungen des Schallschutzes durch das Aufbringen biegeweicher Beschwerungslagen erzielt. Eine Senkung des Normtrittschallpegels um bis zu 15 dB ist möglich [35].

Neben dem schwimmend verlegten Fußboden erbringt hier eine über Federbügel oder Federschienen entkoppelte Unterdecke aus ein- oder gar zweilagigen Gipsplatten bis zu 25 dB Senkung des Normtrittschallpegels Ln,w [38]. In den Deckenhohlraum werden zur Schallabsorption flexible Holzfaserdämmplatten eingelegt.

Trotz ihres hohen Flächengewichtes sind aufgrund der zugleich hohen Biegesteifigkeit auch bei den flächigen Deckensystemen wie Brettstapeldecken usw. schalldämmende Zusatzmaßnahmen wie schwimmend verlegte Fußböden, Beschwerungslagen und abgehängte Unterdecken erforderlich, die jedoch zum Teil andere Wirkungsgrade als bei den Holzbalkendecken aufweisen.

Abb. 58 Nutzlastbereiche von Fußböden

Trittschallschutz-Verbesserung von Decken in Massivbauweise

Zu den Decken in Massivbauweise zählen neben den klassischen Stahlbeton-Massivdecken auch Vollplatten aus Leichtbeton sowie Porenbeton-Deckenplatten. Darüber hinaus fallen auch Deckensysteme mit Hohlräumen unter den Begriff der Massivdecken. Dies sind zum Beispiel Stahlbetonrippendecken, Stahlbetonhohldecken, Stahlbetonbalkendecken mit Zwischenbauteilen aus Ziegel oder Leichtbeton usw. Da die Luftschalldämmung dieser Decken in der Regel kein Problem darstellt, kommt es vorrangig darauf an, mit schwimmend verlegten Deckenauflagen gute Trittschall-Verbesserungsmaße zu erzielen.

Abb. 59 Dämmsystem aus Holzfaserdämmplatten, Fugenlatten für die Dielenbefestigung und einer Trockenschüttung zur Verbesserung der Trittschalldämmung von Massivdecken

Abb. 60 Holzfaser-Trittschalldämmplatten unter Trockenestrichelementen zur Verbesserung der Trittschalldämmung von Massivdecken

Unter Einsatz von Holzfasertrittschalldämmplatten (Typ DES) sind die Schallschutzanforderungen an massive Wohnungstrenndecken zwischen fremden Wohn- und Arbeitsbereichen erfüllbar – auch in reiner Trockenbauweise.

Neben der bauseitigen Verlegung von Holzfaser-Trittschalldämmplatten unter Trockenestrichen können besonders rationell vorkonfektionierte Estrichelemente – meist auf Gipsbasis – mit unterkaschierten Dämmplatten verarbeitet werden. Hinsichtlich der Verlegerichtlinien sowie der zulässigen Nutzlasten gemäß DIN EN 1991-1-1 [40] sind die jeweiligen Herstellerinformationen zu beachten.

Grundsätzlich können alle Holzfaserdämmplatten des Anwendungsbereiches DEO und DES auch unter schwimmenden Estrichen nach DIN 18560-2 [40] verlegt werden. Mit einem Zement- oder Anhydritestrich auf 30 mm dicken Holzfaser-Trittschalldämmplatten (dynamische Steifigkeit SD30) wird beispielsweise ein Trittschall-Verbesserungsmaß ΔLw,R von 26 dB erzielt.

Wärmeschutz von Geschossdecken und Bodenplatten in Massivbauweise

Für die Dämmschicht kommen bei dieser Anwendung ein- oder mehrlagig verlegte Holzfaserdämmplatten des Typs DEO zum Einsatz, auf denen Estriche, Trockenestriche oder Dielensysteme wie zuvor beschrieben schwimmend verlegt werden. Aufgrund der größeren Dämmschichtdicke sind je nach Nutzlastbereich druckbelastbare (Typ DEO-dm), hoch druckbelastbare (Typ DEO-dh) oder sehr hoch druckbelastbare (Typ DEO-ds) zu wählen. Einige Hersteller weisen hierzu die entsprechenden, geprüften Lastkategorien aus [35], [37].

Abb. 62/63 Hoch druckbelastbare Holzfaserdämmplatten unter schwimmend verlegten Holzwerkstoff-Verlegeplatten für den Wärmeschutz von nicht unterkellerten Bodenplatten

Da sich bei Holzfaserdämmplatten mit zunehmender Druckfestigkeit nicht nur die Rohdichte, sondern auch die Wärmeleitfähigkeit erhöht, sind nachfolgend die Bauteil-U-Werte für drei verschiedene Plattentypen mit beispielhaften Wärmeleitfähigkeiten angegeben. Außerdem wird zwischen Kellerdecken über nicht beheizten Kellerräumen und nicht unterkellerten Bodenplatten gegen Erdreich differenziert

Wärmeschutz der obersten Geschossdecke

Zu diesen Decken zählen sowohl die Decken zu begehbaren, aber nicht beheizten Dachgeschossen als auch die Decken zu nicht begehbaren Spitzböden, auch wenn diese zugänglich sind. Die Anwendung von Holzfaserdämmstoffen kann als Dämmauflage auf eine Massivdecke oder oberseitig beplankte Holzbalkendecke bzw. Kehlbalkenlage erfolgen. Oder die Dämmschicht wird als Gefachdämmung zwischen die Balken eingebracht.

Abb. 64 Holzfaserdämmplatten zur Wärmedämmung von obersten Geschossdecken; Dämmauflage auf Balkendecke, ggf. mit begehbarer Abdeckung aus Verlegeplatten oder Estrichelementen

Abb. 65

Abb. 66/67 Holzfaserdämmplatten zur Wärmedämmung von obersten Geschossdecken; Gefachdämmung zwischen Balken, ggf. mit begehbarer Abdeckung aus Verlegeplatten oder Brettern

Bei beiden Einbauvarianten wird die Verlegung einer Dämmschichtabdeckung empfohlen, um die Konstruktion vor Verschmutzung und Beschädigung zu schützen. Dabei kann diese Abdeckung begehbar (z. B. Holzwerkstoffplatten oder Dielen) oder nicht begehbar (Holzfaserplatten oder Abdeckbahnen) sein. Wird die Dämmschicht abgedeckt, ist je nach Diffusionswiderstand der Abdeckung eine entsprechend dimensionierte warmseitige Dampfbremse anzuordnen und ein Tauwasserschutznachweis zu führen. Dabei gilt als Faustformel, dass die Dampfbremse den 6-fachen sd-Wert der Abdeckung aufweisen soll [29]. Wie bei Außenbauteilen sind auch die obersten Decken sowie alle Anschlüsse und Durchdringungen zu unbeheizten Dachgeschossen bzw. Spitzböden luftdicht auszuführen. Soll der Dachraum als Abstellfläche genutzt werden, können bei der Ausführungsvariante mit Dämmauflage und begehbarer Abdeckung Dämmplatten mit höheren Druckfestigkeiten erforderlich werden.

Altbausanierung

Die unter „Boden und Decke“ dargestellten Anwendungen von Holzfaserdämmstoffen sind sinngemäß auch bei der Sanierung von Böden und Decken anwendbar. Auch hier ist allerdings der Zustand der vorhandenen Bausubstanz zu prüfen. Insbesondere ist die Tragfähigkeit von Deckenbalken, Dielenböden und ggf. Unterdecken von Geschossdecken zu beachten, da die neuen Bauteilschichten zusätzliches Flächengewicht aufbringen und eine neue Nutzung der Räume oft auch mit einer Erhöhung der Punkt- und Verkehrslasten verbunden ist.

Abb. 69 Sanierung einer Kellerdecke mit einem Dämmsystem aus Holzfaserdämmplatten und speziellen Fugenlatten zur Aufnahme von Fußbodendielen

Nachträglich eingebaute Dämmschichten auf nicht unterkellerten Bodenplatten sind vor Feutigkeit zu schützen, indem zuvor fachgerechte Feuchtigkeitssperren auf dem Untergrund aufgebracht werden.

[16]DIN 4109-33:2016-07 Schallschutz im Hochbau – Teil 33: Daten für die rechnerischen Nachweise des Schallschutzes (Bauteilkatalog) – Holz-, Leicht- und Trockenbau
[29]DIN 4108-3:2014-11, Klimabedingter Feuchteschutz
[35]PAVATEX GmbH, Boden-Broschüre
[36]PAVATEX GmbH, Prüfbericht ISW-Essen Nr.18.478 IIc in Verbindung mit DIN 4109:1989-11
[37]XELLA-Trockenbau GmbH, Fermacell-Estrichelemente auf geprüften Dämmstoffen
[38]Informationsdienst Holzholzbau handbuch Reihe 3, Teil 3, Folge 3; Untersuchungen des Labors für Schall und Wärmemesstechnik, Rosenheim
[39]DIN EN 1991-1-1:2010-2012, Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke – Teil 1-1: Allgemeine Ein-wirkungen auf Tragwerke – Wichten, Eigengewichte und Nutzlastung im Hochbau
[40]DIN 18560-2:2009-09 Estriche im Bauwesen – Teil 2: Estriche und Heiztechnik
[41]PAVATEX GmbH, Prüfbericht ISW-Essen Nr. 17.332/c
[42]XELLA-Trockenbau GmbH, Prüfbericht des MPA-BS
[43]PAVATEX SA, Prüfbericht ita-Wiesbaden Nr. 0007.07-P 145/04