Anschlüsse und Fugen

Sockelbereich

Im Bereich des Sockels ist auf einen sauber detaillierten Übergang von der z. T. erdberührenden Perimeterdämmung zum Holzfaser-WDVS zu achten. Zwischen Sockelschiene und Perimeterdämmung ist ein Fugendichtband anzuordnen. Ohne besondere Maßnahmen muss der Abstand zwischen Oberkante (OK) Gelände und Unterkante (UK) Schwelle nach DIN 68800-2: 2012-03, Abschnitt 5.2.1.3. 300 mm betragen, (siehe auch Abb. 23). In diesem Abstand ist ein Sicherheitszuschlag für den Fall des unklaren späteren Geländeverlaufs enthalten. Bild A.10 der DIN 68800-2 kann entnommen werden, dass der Abstand bei gesichertem späterem Geländeverlauf auf 150 mm reduziert werden kann.

Der Abstand zwischen OK Gelände und UK Schwelle kann auch durch die Anordnung eines Kiesbetts mit mindestens Korngröße 16/32, einer Mindestbreite von 150 mm und einem Mindestabstand Außenkante Schwelle zur Außenkante Kiesbett von 300 mm oder einem Wasser ableitenden Belag mit mindestens 2 % Gefälle auf 150 mm reduziert werden (siehe Abb. 25 und 26).

Mit einer zusätzlichen geeigneten Abdichtungsmaßnahme nach DIN 18533-1 [56] kann der Abstand auf 50 mm reduziert werden.

Abb. 102 Ausführung bei unklarem späteren Geländeverlauf und ohne zusätzliche Maßnahmen

Abb. 103 Ausführung mit Kiesbett

Abb. 126 Ausführung mit geneigtem wasserableitenden Belag

Abb. 127 Ausführung mit zusätzlicher geeigneter Abdichtung nach DIN 18533-1

Fensteranschluss

Der fachgerechte Anschluss des Wärmedämm-Verbundsystems sowie der Fensterbänke an das Fenster ist für die Gebrauchstauglichkeit des Gebäudes von besonderer Bedeutung. Generell gilt, dass diese Anschlussbereiche zu planen sind, dies liegt im Verantwortungsbereich des Planers (bzw. falls kein Planer beteiligt ist, übernimmt der Fachunternehmer die Planungsleistung). Durch eine vorausschauende Planung sowie eine frühzeitige gewerkeübergreifende Abstimmung können Probleme bei der Ausführung und daraus resultierende Schäden bereits im Vorfeld vermieden werden.

Generell ist darauf zu achten, dass in bewitterten Bereichen ein Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern ist und etwaig eingedrungene Feuchtigkeit kontrolliert nach außen geführt wird. Bereits in der Bauphase sind diesbezüglich Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen und bei Bewitterung horizontale Schnittkanten abzudecken.

Dem Anschluss zwischen Fenster, Fensterbank und Dämmsystem kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu. Dies gilt besonders im Holzbau, bei dem dauerhaft eindringende Feuchtigkeit zu einer Schädigung der Holzkonstruktion führen kann.

Neben der Ausführung von schlagregendichten Fensterbanksystemen unter Beachtung der angrenzenden Anschlüsse (Fugen und Nuten bei Fensterrahmen, Ecken und Bewegungen bei Fensterbänken) wird eine erhöhte Sicherheit durch den Einbau einer zweiten wasserführenden Ebene unterhalb der Fensterbank erreicht. Eine Erhöhung der Gebrauchstauglichkeit und dauerhaften Sicherheit wird erzielt. Die WDVS Anbieter stellen auf ihre Systeme abgestimmte Lösungen zur Verfügung.

Die schlagregendichte Fensterbank ist

  • mit einem Gefälle von mind. 5° (8 %) nach außen einzubauen
  • mind. 20 mm bezogen auf die Abtropfkante über das Putzsystem überstehen zu lassen, empfohlen wird 30 bis 40 mm
  • mit Fugendichtungsbänder für die Anschlussbereiche der Beanspruchungsgruppe BG 1 einzubauen
  • mit Bordprofilen einer Mindestbreite der horizontalen Aufstandsfläche von 18 mm zu versehen
  • lage- und positionsgesichert einzubauen – Schutz vor Windbeanspruchung
  • unter Berücksichtigung der thermischen Längenänderung zu konzeptionieren – Gleit- Bordprofile bieten hier eine erhöhte Sicherheit
  • bei Längen über 3 m mit einem wasserdichten Dehnungsstoß auszubilden

Für den Fugenanschluss der Putzträgerplatte an den Fensterrahmen sind vorkomprimierte Fugendichtungsbänder der Beanspruchungsgruppe BG 1 gemäß DIN 18542 [58] bündig zur Außenfläche der Dämmplatte zu setzen. PU-Ortschäume oder Silikondichtmassen sind nicht geeignet. Leibungsplatten optimieren hier den Arbeitsablauf. Die Leibungsplatte sollte mit einem Versatz, abgestimmt auf die Dicke des Putzsystems, zur vorderen Kante des Bordprofils angeordnet werden, damit mit der Putzbeschichtung ein bündiger Abschluss mit dem Schenkel des Bordprofils geschaffen werden kann.

Rollladenführungsschienen sind auf die Fensterbank zu entwässern. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Rollladenführungsschienen innerhalb der seitlichen Aufkantungen befinden. Zudem dürfen Rollladenführungsschienen max. 8 mm oberhalb der Fensterbank enden und dürfen nicht direkt auf der Fensterbank aufstehen.

Empfohlen wird, dass die Leibungsbereiche vor Montage der Rollladenführungsschienen bereits verputzt sind.

Abb. 104 Fensterbankanschluss mit eingelegter Folie als zweite Dichtungsebene

Abb. 105 Eingebauter Raffstore

Türanschluss

Bei ebenerdigen Austritten liegen die Schwellen der Wandelemente üblicherweise unterhalb der endgültigen Oberkante des Geländes. Um einen Spritzwasserschutz zu erreichen, muss die Spritzwasserebene abgesenkt werden. Dies geschieht durch ein mindestens 200 mm breites, 150 mm tiefes, umlaufendes Kiesbett, dessen endgültige Oberkante (unter Berücksichtigung möglicher künftiger Ablagerungen) mindestens 150 mm unterhalb der Unterkante der Schwelle liegt.

Der oberhalb des Kiesbetts angeordnete Gitterrost kann z. B. über Konsolen aufgelagert werden.

Abb. 106 ebenerdiger Austritt Terrassentür

Das Kiesbett ist regelmäßig von Laub- und sonstigen Schmutzablagerungen zu reinigen.

Durchdringungen

Offene bewitterte Stirnflächen der Putzträgerplatten sind während der Bauphase gegen eindringende Feuchte zu schützen. Im Bereich von Durchdringungen sind die Holzfaserdämmplatten an die durchdringenden Bauteile mittels vorkomprimierten Fugendichtbändern BG1 dauerhaft schlagregendicht anzuschließen. Die Putzschichten sind mittels Trennschnitt zu entkoppeln.

Abb. 107 Durchgang Sparren

Für Rauchrohrdurchdringungen sind in Wänden aus brennbaren Materialien gemäß der Feuerschutzverordnung des Bundeslandes [59] der DIN V 18160-1, Beiblatt 1 [60] und nach Maßgabe des zuständigen Schornsteinfegers i.d.R. in einem Abstand von mehr als 200 mm vom durchdringenden Bauteil nichtbrennbare, formbeständige Baustoffe geringer Wärmeleitfähigkeit anzuordnen. Alternativ kann um das Rauchrohr ein nicht brennbares und formbeständiges Schutzrohr angeordnet werden, das umlaufend einen Abstand von 200 mm zum Rauchrohr aufweist. Geprüft verfügbare Lösungen von Kamin- oder Rauchrohrherstellern sind im Markt verfügbar.

Fugen im Bereich des Geschossstoßes

Alle WDVS, auch Holzfaser-WDVS, sind empfindlich gegenüber größeren Vertikalverformungen, wie sie infolge von elastischen Verformungen, Setzungen und Schwindverformungen der Unterkonstruktion, insbesondere im Bereich der horizontalen Geschossstöße im Holzbau, auftreten können. Große Vertikalverformungen führen zu sogenannten Quetschfalten, können aber bei sorgfältiger Planung und Ausführung mit einfachen Mitteln vermieden werden.

Im horizontalen Geschossstoß von Holzbauten werden in die Wand einbindende Deckenbalken, Kopfhölzer und Fußschwellen übereinander angeordnet. Dieses senkrecht zur Faser beanspruchte Paket von Holzbauteilen kann je nach Gebäudeabmessungen und Konstruktion eine Höhe von 300 bis 350 mm besitzen.

Abb. 108 Prinzip Geschossstoß für aufgelegte Decken

Geht man davon aus, dass alle Bauteile aus Vollholz ausgeführt und dass alle Vollhölzer gemäß VOB ATV DIN 18334 [61] mit einer Holzfeuchte von ≤ 18 % eingebaut werden, so ergibt sich bei Ansatz eines rechnerischen Schwindmaßes von 0,25 % pro % Holzfeuchteänderung alleine aus der Nachtrocknung auf angenommene 10 % Ausgleichsfeuchte ein rechnerisches Schwindmaß von 7 mm.

Zu dieser Schwindung aus Nachtrocknung kommen bei voller Querdruckbeanspruchung lastabhängige Verformungen von cirka 2 mm hinzu.

Weitere lastabhängige Verformungen sind infolge nicht ebener Auflagerung von Wandscheiben bei Verschmutzungen oder überstehenden Verbindungsmitteln unterhalb der Rähme zu erwarten, da sich diese mit der Zeit in das Holz hineindrücken.

  • Zur Reduzierung dieser für ein WDVS unzuträglichen Verformungen sind im Geschossstoß entweder Randbohlen aus schwindarmen und trockenen Holzwerkstoffen (z. B. Furnierschichtholz oder OSB-Platten) vorzusehen oder aber es muss das Schwindpotential der einbindenden Deckenbalken durch neben die Balken angeordnete Stellhölzer mit lotrechter Faserrichtung kompensiert werden.
  • Durchlaufende Randbohlen reduzieren zugleich die lastabhängigen Querdruckverformungen. Ohne durchlaufende Randbohlen können Querdruckverformungen durch Vergrößerung der Auflager- bzw. Aufstandsflächen reduziert werden.
  • Nachträgliche Setzungen durch unebene Auflagerung, Verschmutzungen oder überstehende Verbindungsmittel sind durch organisatorische Maßnahmen während der Montage leicht zu vermeiden.
  • Beim Zusammenbau der Bauteile ist zudem auf druck- und zugfeste Ausbildung der Anschlüsse zu achten, damit keine Setzungen infolge ungewollter Verschiebungen der Bauteile auftreten können.
  • Das Putzsystem sollte erst dann flächendeckend aufgebracht werden, wenn die Auflasten wie beispielsweise Dachsteine und Estriche der verschiedenen Geschosse eingebracht wurden.
  • Für das WDVS bietet es sich an, sogenannte Geschossbinden oder Passstücke nachträglich passgenau über dem Anschlussbereich anzuordnen. Fugen sind in diesem Bereich zu vermeiden. Hierbei ist im Besonderen darauf zu achten, dass druckfestes Fugenmaterial nur bei Einbringung über die gesamte Dämmstofftiefe wirksam werden kann.

Dehnfugen

Bauwerksbedingte Dehnfugen (z. B. Bauteilanschlüsse oder Materialwechsel zwischen Geschossen) sind auch durch das Holzfaser- WDVS hindurch auszubilden.

Die Fugen sind im Bereich des Holzfaser-WDVS schlagregendicht auszubilden.

Hierzu sind in der Fläche Dehnfugenprofile und bei Bauteilanschlüssen geeignete vorkomprimierte Fugendichtbänder der Beanspruchungsgruppe BG1 nach DIN 18542 zu verwenden.

Abb. 109 Vertikale Dehnfuge zwischen mineralischer Konstruktion und Holzbaukonstruktion

[56]DIN 18533-1:2017-07„Abdichtung von erdberührten Bauteilen – Teil 1: Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze“
[57]Polleres, Schober: „Holzhausbau – Architektur vs. Technik: Teil 1: Sockelanschluss“HFA-Nummer F408-F422, 02.2009
[58]DIN 18542:2009-07 „Abdichten von Außenwandfugen mit imprägnierten Fugendichtungsbändern aus Schaumkunststoff – Imprägnierte Fugendichtungsbänder – Anforderungen und Prüfung“
[59]Muster-Feuerungsverordnung (MFeuV) Stand: September 2007
[60]DIN V 18160-1 Beiblatt 1:2015-11 Abgasanlagen – Teil 1: „Planung und Ausführung“; Nationale Ergänzung zur Anwendung von Metall-Abgasanlagen nach DIN EN 1856-1, von Innenrohren und Verbindungsstücken nach DIN EN 1856-2, der Zulässigkeit von Werkstoffen und der Korrosionswiderstandsklassen
[61]DIN 18334:2016-09„Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) – Zimmer- und Holzbauarbeiten“