Baurechtliche Grundlagen

WDVS müssen u. a. einen dauerhaft wirksamen Wetterschutz des Tragwerkes gewährleisten. Es gibt zwar europäische Produktnormen für Dämmstoffe [z. B. 49], aber noch keine nationale oder europäische Produktnorm für WDVS. Da WDVS Bauteile mit Sicherheitsanforderungen sind, werden sie derzeit entweder über nationale allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen (im Folgenden Zulassung genannt) des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) oder über europäische technische Zulassungen geregelt.

Abb. 74 Beispiel für das Deckblatt einer Zulassung

Die nationalen Zulassungen werden i.d.R. für jeweils fünf Jahre erteilt und haben folgenden Inhalt:

  • Beschreibung des WDVS und seines Anwendungsbereichs;
  • Beschreibung der Eigenschaften und der Zusammensetzung aller systemrelevanten Komponenten (Dämmstoff, Befestigungsmittel, Putzkomponenten, Zubehörteile und gegebenenfalls Anstriche);
  • Herstellung, Verpackung, Transport, Lagerung und Kennzeichnung;
  • Übereinstimmungsnachweis;
  • Bestimmungen für Entwurf und Bemessung;
  • Bestimmungen für die Ausführung;
  • Übergabeprotokoll für die Bestätigung der ordnungsgemäßen Ausführung.

Die nationale Zulassung führt zum Übereinstimmungszeichen (Ü-Zeichen, siehe Abb. 4). In den Zulassungen werden die zulässigen Untergründe geregelt. Beplankungen aus Holzfaserdämmplatten und damit auch Holzfaser-WDVS dürfen derzeit nicht zur Aussteifung der Tragkonstruktion herangezogen werden.

Die nationalen Zulassungen enthalten u. a. Bestimmungen für die Verarbeitung. Die Verarbeitungshinweise der Hersteller können auf Teile der DIN 55699 [50], der nationalen Norm für die Verarbeitung von WDVS, verweisen. Die Vorgaben der Zulassungen sind aber immer verbindlich.

Bei den Zulassungen für WDVS handelt es sich um sogenannte System-Zulassungen, d. h. dass das Gesamtsystem bestehend aus Dämmstoff, Putzkomponenten, Befestigungsmitteln, Zubehörteilen und gegebenenfalls Anstrichen geregelt wird. Es dürfen daher nur die in der jeweiligen Zulassung geregelten Komponentenverwendet werden. Werden systemfremdeKomponenten verwendet, so ist dies baurechtlich unzulässig und es erlischt zudem der Gewährleistungsanspruch gegenüber dem Zulassungsinhaber.Das ist auch der Fall, wenn systemfremde Komponenten verwendet werden, die für andere WDVS zugelassen sind.

Nicht zuletzt aus diesem Grunde sind die Systemgeber verpflichtet, alle systemrelevanten Informationen zur Verfügung zu stellen. Der Verarbeiter hat diese Informationen zu berücksichtigen, darüber hinaus einen Übereinstimmungsnachweis gemäß Zulassung über die sachgerechte Ausführung des WDVS anzufertigen und dem Bauherren zu übergeben. Vorlagen für die Übereinstimmungserklärung finden sich als Anhang in den Zulassungen oder sind, in erweiterter Form, bei den Systemhaltern erhältlich.

Die Zulassungen der verwendeten Systeme müssen den Planern und Verwendern vorliegen. Sie werden von den Systemanbietern bereitgestellt. Zukünftig sollen WDV-Systeme auf europäischer Ebene normativ geregelt werden. Im ersten Schritt werden Systeme auf mineralischen Untergründen erfasst. Eine Arbeitsgruppe für Holzuntergründe ist bereits vorgesehen.

[49] DIN EN 13171:2012+A1:2015 „Wärmedämmstoffe für Gebäude – Werkmäßig hergestellte Produkte aus Holzfasern (WF-Spezifikation)“
[50] DIN 55699:2016-09 „Verarbeitung von außenseitigen Wärmedämm-Verbundsystemen“