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Eigenschaften der Holzfaser-WDVS
Wetterschutz
Holzfaser-WDVS schützen das Bauwerk einerseits dauerhaft wirksam vor negativen Einflüssen aus der Bewitterung. Andererseits bieten sie bei korrekter Ausführung Schutz vor unzulässigem Tauwasseranfall innerhalb der Wandkonstruktion infolge Diffusion und Konvektion.
Infolge der Diffusionsoffenheit bei gleichzeitiger Feuchtepufferung können die Holzfaserdämmplatten im Bereich kleinerer Putzrisse eingedrungene Feuchte problemlos aufnehmen und wieder abgeben. Aufgrund ihrer Hydrophobierung können die Holzfaserdämmplatten im Bauzustand je nach Hersteller bis zu 60 Tage der Bewitterung ausgesetzt werden. Ein möglichst rascher Auftrag des Putzes nach der Montage der Platten ist dennoch anzustreben.
Abb. 95 WDVS mit Holzfaserdämmplatten auf Außenwänden in Holzrahmenbauweise
Die Holzfaserdämmplatten sind mit Diffusionswiderstandzahlen μ zwischen 3 ≤ μ ≤ 5 sehr diffusionsoffen. Zusammen mit den ebenfalls sehr diffusionsoffenen Putzbeschichtungen können gemäß DIN V 4108-4 [03] bauphysikalisch robuste diffusionsoffene Wandaufbauten ausgeführt werden.
Durch die natürliche Feuchtespeicherfähigkeit der Holzfaserdämmplatten erhalten Konstruktionen zusätzliche Toleranz gegenüber Feuchteeinflüssen durch Dampfdiffusion. Abbildung 19 zeigt eine typische Holzrahmenbauwand in diffusionsoffener Ausführung. Die raumseitige aussteifende Beplankung mit Holzwerkstoffplatten bildet bei geeigneter Abklebung zugleich die rauminnenseitige Ebene der Luftdichtheit. Auf den Einsatz von Dampfbremsen oder –sperren kann verzichtet werden. Der Wandaufbau wird von innen nach außen immer diffusionsoffener. Die äquivalente Luftschichtdicke der rauminnenseitigen Beplankung ist um den diffusionstechnisch günstigen Faktor 5 bis 10 größer als die äquivalente Luftschichtdicke des Holzfaser-WDVS.
Bei Holzbauten, die gemäß der Vorgaben der DIN 68800-2 [21] konstruiert sind, kann vollständig auf den vorbeugenden chemischen Holzschutz verzichtet werden.
Wärmeschutz
Mit WDVS kann der Wärmedurchgang durch die Wandbauteile erheblich reduziert werden. Durch die außenseitige Anordnung der Dämmung kann weitestgehend wärmebrückenfrei konstruiert werden, in die Außenwände einbindende Bauteile wie Innenwände oder Decken werden überdämmt, die Tragkonstruktion wird nicht nur vor der Witterung geschützt, sondern auch von thermischen Schwankungen entkoppelt. Informationen zum Bemessungswert der Holzfaserdämmplatten können dem Abschnitt Wärmeleitfähigkeit entnommen werden.
Den Wärmedurchgangskoefizienten Uneu einer mit einem Holzfaser-WDVS gedämmten Wand kann man für die Wand ohne Fenster, Türen und Wärmebrücken aus dem Wärmedurchgangskoeffizienten Ualt wie folgt abschätzen:
Abb. 96
Mit:
| Uneu | Wärmedurchgangskoeffizient Wand inklusive WDVS in [W/(m²K)] |
| Ualt | Wärmedurchgangskoeffizient Wand ohne WDVS in [W/(m²K)] |
| dWDVS | Dicke der Holzfaserdämmplatte in [m] |
| λWDVS | Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit unter Berücksichtigung der Zuschläge |
| λWDVS | λD × 1,05 × 1,02 in [W/(m²K)] |
| λD | Nennwert der Wärmeleitfähigkeit |
Die Systemanbieter halten Informationen zu Details vor, mit denen mit Holzfaser-WDVS gedämmte Fassaden weitgehend wärmebrückenfrei ausgeführt werden können. Grundsätzliche Aussagen zu Wärmebrücken enthält [59].
Abb. 97 Sanierungssysteme für verputzte Mauerwerkswände und Holzrahmenbauwände mit Vorhangfassaden
Bei bestimmten Wettersituationen im Winter und abhängig von der Wärmedämmung der tragenden Wandkonstruktion können sich die Befestigungselemente an der Putzoberfläche durch Unterschiede in der Tauwasser- oder Reifbildung gegenüber der ungestörten Wand vorübergehend abzeichnen. Soll dies vermieden werden, sind thermisch entkoppelte Tellerbefestiger oder Spezialschrauben, Breitrückenklammern oder systemkonforme Nägel zu verwenden.
Sommerlicher Hitzeschutz
Holzfaserdämmplatten besitzen eine vergleichsweise hohe Rohdichte. Mit Werten von 160 kg/m3 bis zu 270 kg/m3 sind sie deutlich schwerer als andere Dämmmaterialien, welche als Systemkomponenten für WDVS zum Einsatz kommen. Insbesondere bei den leichteren Konstruktionen des Holzbaus wirken sich die höhere Masse und die damit verbundene höhere Wärmespeicherfähigkeit der Holzfaserdämmplatten positiv auf den sommerlichen Hitzeschutz der Wandkonstruktion aus. Der Dämmstoff kann so viel Wärmeenergie speichern, dass die Oberflächentemperatur der Bauteilinnenseiten deutlich reduziert wird (so genannte Amplitudendämpfung) und die Spitzentemperatur zeitverzögert in der Nacht auftritt (so genannte Phasenverschiebung), in der sie durch Nachtlüftung komfortabel abgeführt werden kann.
Abb. 100 Beispiel für die Phasenverschiebung und Amplitudendämpfung einer mit Holzfaserdämmplatten gedämmten Wand
Schallschutz
Wiederum aufgrund der hohen Rohdichte, aber auch aufgrund der offenporigen Struktur, der niedrigen dynamischen Steifigkeit (s’ ≤ 50 MN/m³) und des hohen Strömungswiderstandes (Normwert des linearen Strömungswiderstandes AF ≥ 100 kPa·s/m³ ) werden mit Holzfaserdämmplatten sehr gute Schalldämmmaße erreicht. So sind im Holzbau Konstruktionen bis zu einem bewerteten Schalldämmmaß von 54 dB auf Mauerwerk und Verbesserungsmaße von bis zu 5 dB möglich.

Abb. 101 Schalldämmmaße bzw. Schallverbesserungsmaße für typische Wandaufbauten des Holz- bzw. Massivbaus (Auszug aus einem Schallprüfzeugnis. Für die Bewertung eines Bauteiles ist das vollständige Prüfzeugnis zugrunde zu legen).
Brandschutz
Holzfaserdämmplatten zur Verwendung in WDVS sind üblicherweise normal entflammbar (Baustoffklasse B2) gemäß DIN 4102-2 [71]. Eine Behandlung der Platten mit Feuerschutzmitteln ist technisch zwar möglich, aber unüblich. Einzelne Holzfaser-WDVS für die Verwendung auf mineralischen Untergründen werden als schwer entflammbar (Baustoffklasse B1) klassifiziert.
Holzfaser-WDVS können üblicherweise in Gebäuden der Gebäudeklasse 1, 2 und 3 bzw. Gebäuden geringer Höhe verwendet werden. Holzfaserdämmplatten verfügen über ein ausgesprochen gutmütiges Abbrandverhalten. Im Brandfall haben sie aufgrund der Temperaturspeicherfähigkeit und der sich beim Abbrand bildenden, wärmedämmenden Verkohlungsschicht keine brandfördernde Wirkung. Für mit Holzfaser-WDVS gedämmte Holzbaukonstruktionen liegen allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnisse vor, in denen Feuerwiderstandsklassen bis F90 (feuerbeständig) nachgewiesen werden.
Abb. 99 Beispiel für eine Gebäudetrennwand (Brandüberschlagsbereich) F30/F90
Mechanische Eigenschaften
Die mechanischen Eigenschaften der Holzfaserdämmplatten sind im Wesentlichen vom Herstellverfahren, der Plattendicke sowie der Rohdichte abhängig und damit herstellerspezifisch.
Die Druckfestigkeit quer zur Plattenebene der in Holzfaser-WDVS verwendeten Platten beträgt je nach Hersteller zwischen 40 kPa und 200 kPa, die Zugfestigkeit quer zur Plattenebene zwischen 5 kPa und 30 kPa.
Im Holzrahmenbau können Holzfaserdämmplatten aufgrund ihrer Festigkeitseigenschaften und ihrer Formstabilität ohne zusätzliche Beplankungen direkt auf die Rippen befestigt werden. Je nach Plattentyp und Kantenausprägung können die Platten endlos mit „fliegenden“ Stößen verarbeitet werden. Dabei müssen die Platten nicht auf den Rippen gestoßen werden.
Gegen übliche Stöße sind Holzfaser-WDVS sehr unempfindlich. Sie erfüllen die Anforderungen an die Stoßfestigkeit gemäß europäischer Prüfvorschriften. Um die Unempfindlichkeit der Systeme nachzuweisen, werden der „harte Stoß (hard body impact)“ und der „weiche Stoß soft body impact)“ simuliert. Mit dem harten Stoß wird ein gegen den Putz gestoßener Fahradlenker simuliert, mit dem weichen Stoß ein gegen den Putz stürzender Mensch.
Ökologie/Nachhaltigkeit
Holzfaserdämmplatten werden aus den in der Holzindustrie anfallenden Hackschnitzel und Holzschwarten hergestellt. Das Holz entstammt nachhaltig bewirtschafteten, häufig gemäß FSC oder PEFC zertifizierten heimischen Wäldern. Die Herstellung der Dämmstoffe erfolgt mit einem großen Anteil erneuerbarer Energien.
Eine Tonne Holzfaserdämmplatte speichert in Form von Kohlenstoff das Äquivalent von 1,8 Tonnen CO². Bei einer thermischen Verwertung am Ende der Nutzungsdauer wird Energie gewonnen und nur soviel CO² frei gesetzt, wie der Baum während seines Wachstums im Holz eingelagert hat. Zudem substituieren Holzfaserdämmplatten konventionelle Dämmstoffe, die aus nicht erneuerbaren Rohstoffen wie Erdöl oft mit großem Einsatz hergestellt werden. Sortenreine, nicht verunreinigte Baustellenreste können recycelt werden.
| [03] | DIN V 4108-4:2007-06 Wärme- und feuchteschutztechnische Bemessungswerte |
| [21] | DIN 68800-2:1996-05 Holzschutz: Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau |
| [59] | Hauser, G. (2008): Wärmebrücken, INFORMATIONSDIENST HOLZ – holzbau handbuch, Reihe 4, Teil 5, Folge 2, Holzabsatzfonds, Bonn |
| [71] | DIN 4102-2: 1977-09 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen; Bauteile, Begriffe, Anforderungen und Prüfungen |
