Eigenschaften der Holzfaser-WDVS

Wetterschutz

Holzfaser-WDVS schützen das Bauwerk einerseits dauerhaft wirksam vor negativen Einflüssen aus der Bewitterung. Andererseits bieten sie bei korrekter Ausführung Schutz vor unzulässigem Tauwasseranfall innerhalb der Wandkonstruktion infolge Diffusion und Konvektion.

Abb. 95

Aufgrund ihrer Hydrophobierung können die Holzfaserdämmplatten im Bauzustand über eine vom Hersteller festgelegte Zeitdauer der Bewitterung ausgesetzt werden. Ein möglichst rascher Auftrag des Putzes auf die nach Maßgabe des Herstellers trockene Platte ist anzustreben.

Die Holzfaserdämmplatten sind mit Diffusionswiderstandzahlen μ zwischen 3 ≤ μ ≤ 5 sehr diffusionsoffen. Zusammen mit den ebenfalls sehr diffusionsoffenen Putzbeschichtungen können bauphysikalisch robuste diffusionsoffene Wandaufbauten mit hohem Feuchteabgabepotential ausgeführt werden.

Durch die natürliche Feuchtespeicherfähigkeit der Holzfaserdämmplatten sind Konstruktionen ausgesprochen unempfindlich gegenüber Feuchteeinflüssen durch Dampfdiffusion. Abb. 95 zeigt eine typische Holzrahmenbauwand in diffusionsoffener Ausführung. Die raumseitige aussteifende Beplankung mit Holzwerkstoffplatten bildet bei geeigneter Abklebung zugleich die rauminnenseitige Ebene der Luftdichtheit. Auf den Einsatz von zusätzlichen Dampfbremsen oder -sperren kann je nach Innenbekleidung verzichtet werden. Der Wandaufbau wird von innen nach außen immer diffusionsoffener. Die äquivalente Luftschichtdicke der rauminnenseitigen Beplankung ist um den diffusionstechnisch günstigen Faktor 5 bis 10 größer als die äquivalente Luftschichtdicke des Holzfaser-WDVS.

Bei Holzbauten, die gemäß der Vorgaben der DIN 68800-2 [53] konstruiert sind, kann vollständig auf den vorbeugenden chemischen Holzschutz verzichtet werden.

Wärmeschutz

Mit WDVS kann der Wärmedurchgang durch die Wandbauteile erheblich reduziert werden. Durch die außenseitige Anordnung der Dämmung kann weitestgehend wärmebrückenfrei konstruiert werden, in die Außenwände einbindende Bauteile wie Innenwände oder Decken werden überdämmt, die Tragkonstruktion wird nicht nur vor der Witterung geschützt, sondern auch von thermischen Schwankungen entkoppelt.

Informationen zum Bemessungswert der Holzfaserdämmplatten können dem entsprechenden Kapitel entnommen werden.

Den Wärmedurchgangskoefizienten Uneu einer mit einem Holzfaser-WDVS gedämmten Wand kann man für die Wand ohne Fenster, Türen und Wärmebrücken aus dem Wärmedurchgangskoeffizienten Ualt wie folgt abschätzen:

Abb. 96

Mit:

UneuWärmedurchgangskoeffizient Wand inklusive WDVS in [W/(m²K)]
UaltWärmedurchgangskoeffizient Wand ohne WDVS in [W/(m²K)]
dWDVSDicke der Holzfaserdämmplatte in [m]
λWDVSBemessungswert der Wärmeleitfähigkeit unter Berücksichtigung der Zuschläge

Abb. 97 Sanierungssysteme für verputzte Mauerwerkswände und Holzrahmenbauwände

Abb. 98

Die Systemanbieter halten Informationen zu Details vor, mit denen mit Holzfaser-WDVS gedämmte Fassaden weitgehend wärmebrückenfrei ausgeführt werden können. Grundsätzliche Aussagen zu Wärmebrücken enthält [48].

Bei bestimmten Wettersituationen im Winter und abhängig von der Wärmedämmung der

tragenden Wandkonstruktion können sich die Befestigungselemente an der Putzoberfläche durch Unterschiede in der Tauwasser- oder Reifbildung gegenüber der ungestörten Wand vorübergehend abzeichnen.

Sommerlicher Hitzeschutz

Holzfaserdämmplatten besitzen eine vergleichsweise hohe Rohdichte. Mit Werten von 110 kg/m³ bis zu 265 kg/m³ sind sie deutlich schwerer als andere Dämmmaterialien, welche als Systemkomponenten für WDVS zum Einsatz kommen. Insbesondere bei den leichteren Konstruktionen des Holzbaus wirken sich die höhere Masse und die damit verbundene höhere Wärmespeicherfähigkeit der Holzfaserdämmplatten positiv auf den sommerlichen

Hitzeschutz der Wandkonstruktion aus. Der Dämmstoff kann so viel Wärmeenergie speichern, dass die Oberflächentemperatur der Bauteilinnenseiten deutlich reduziert wird (sogenannte Amplitudendämpfung) und die Spitzentemperatur zeitverzögert in der Nacht auftritt (sogenannte Phasenverschiebung), in der sie durch Nachtlüftung komfortabel abgeführt werden kann.

Abb. 100 Beispiel für die Phasenverschiebung und Amplitudendämpfung einer mit Holzfaserdämmplatten gedämmten Wand

Schallschutz

Wiederum aufgrund der hohen Rohdichte, aber auch aufgrund der offenporigen Struktur, der niedrigen dynamischen Steifigkeit (s’ ≤ 50 MN/m.) und des hohen Strömungswiderstandes (Normwert des linearen Strömungswiderstandes AF ≥ 100 kPa·s/m. ) werden mit Holzfaserdämmplatten sehr gute Schalldämmmaße erreicht. So sind im Holzbau Konstruktionen bis zu einem bewerteten Schalldämmmaß von 54 dB möglich.

Weitere Angaben enhält z. B. [45].

Abb. 101 Schalldämmmaße bzw. Schallverbesserungsmaße für typische Wandaufbauten des Holz- bzw. Massivbaus (Auszug aus einem Schallprüfzeugnis. Für die Bewertung eines Bauteiles ist das vollständige Prüfzeugnis zugrunde zu legen).

Brandschutz

Holzfaser-WDVS werden in Deutschland als normal entflammbar eingestuft. Nach europäischen Prüfkriterien erzielt das System die Einstufung B s1 d0 nach DIN EN 13501-1 [55].

Holzfaser-WDVS können in Gebäuden der Gebäudeklasse 1, 2 und 3 verwendet werden. Mit speziellen Brandschutzkonzepten ist auf Basis eines Brandschutzkonzeptes auch ein Einsatz bei höheren Gebäudeklassen möglich.

Holzfaserdämmplatten verfügen über ein ausgesprochen gutmütiges Abbrandverhalten. Im Brandfall wird der Temperaturdurchgang aufgrund der hohen Wärmespeicherkapazität der Holzfaserdämmplatten stark verzögert. Weiterhin bildet sich wie bei Massivholz eine ausgeprägte Verkohlungsschicht, die den Abbrand des Dämmstoffes hemmt und somit für lange Volumenbeständigkeit im Bauteil sorgt. Dadurch wird der Feuerwiderstand der Außenwand nachweislich verbessert. Ein Schmelzen oder brennendes Abtropfen/Abfallen tritt nicht auf. Für mit Holzfaser-WDVS gedämmte Holzbaukonstruktionen liegen allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnisse vor, in denen Feuerwiderstandsklassenbis F90 nachgewiesen werden.

Diese mit Holzfaser-WDVS gedämmten Holzbaukonstruktionen behalten somit wesentliche Eigenschaften (z. B. die Tragfähigkeit) bis zu 1,5 Stunden nach Brandbeginn (bei F90). Rettungs- und Löschmaßnahmen werden dadurch maßgeblich vereinfacht.

Abb. 99 Verwendbarkeitsnachweis in Form eines allgemein bauaufsichtlichen Prüfzeugnisses

Mechanische Eigenschaften

Die mechanischen Eigenschaften der Holzfaserdämmplatten sind im Wesentlichen vom Herstellverfahren, der Plattendicke sowie der Rohdichte abhängig und damit herstellerspezifisch.

Die Druckfestigkeit quer zur Plattenebene der in Holzfaser-WDVS verwendeten Platten beträgt je nach Hersteller zwischen 40 kPa und 200 kPa, die Zugfestigkeit quer zur Plattenebene zwischen 5 kPa und 30 kPa.

Im Holzrahmenbau können Holzfaserdämmplatten aufgrund ihrer Festigkeitseigenschaften und ihrer Formstabilität ohne zusätzliche Beplankungen direkt auf die Rippen befestigt werden. Je nach Plattentyp und Kantenausprägung können die Platten endlos mit „fliegenden“ Stößen verarbeitet werden. Dabei müssen die Platten nicht auf den Rippen gestoßen werden.

Gegen übliche Stöße sind Holzfaser-WDVS sehr unempfindlich. Sie erfüllen die Anforderungen an die Stoßfestigkeit gemäß europäischer Prüfvorschriften. Um die Unempfindlichkeit der Systeme nachzuweisen, werden der „harte Stoß (hard body impact)“ und der „weiche Stoß (soft body impact)“ simuliert. Mit dem harten Stoß wird ein gegen den Putz gestoßener Fahradlenker simuliert, mit dem weichen Stoß ein gegen den Putz stürzender Mensch.

Ökologie/Nachhaltigkeit

Holzfaserdämmplatten werden aus den in der Holzindustrie anfallenden Resthölzern und Hackschnitzel und Durchforstungsholz hergestellt. Das Holz stammt aus nachhaltig bewirtschafteten, häufig gemäß FSC oder PEFC zertifizierten heimischen Wäldern. Die Herstellung der Dämmstoffe erfolgt mit einem großen Anteil erneuerbarer Energien.

Eine Tonne Holzfaserdämmplatte speichert in Form von Kohlenstoff das Äquivalent von 1,8 Tonnen CO2. Bei einer thermischen Verwertung am Ende der Nutzungsdauer wird Energie gewonnen und nur soviel CO2 frei gesetzt, wie der Baum während seines Wachstums im Holz eingelagert hat. Zudem substituieren Holzfaserdämmplatten konventionelle Dämmstoffe, die aus nicht erneuerbaren Rohstoffen wie Erdöl oft mit großem Einsatz hergestellt werden. Sortenreine, nicht verunreinigte Baustellenreste können recycelt werden.

[45]Schulze, H. (1998): „Grundlagen des Schallschutzes“, INFORMATIONSDIENST HOLZ – holzbau handbuch, Reihe 3, Teil 3, Folge 1, Holzabsatzfonds, Bonn
[48]Hauser, G. (2008): „Wärmebrücken“, INFORMATIONSDIENST HOLZ – holzbau handbuch, Reihe 4, Teil 5, Folge 2, Holzabsatzfonds, Bonn
[55]DIN EN 13501-1:2010-01 „Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten – Teil 1: Klassifizierung mit den Ergebnissen aus den Prüfungen zum Brandverhalten von Bauprodukten“