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Produkteigenschaften und Anforderungen

Die heute bekannten Holzfaserdämmstoffe sind aus den Holzweich-faserplatten bzw. porösen Holzfaserplatten hervorgegangen, die bereits vor 75 Jahren erstmals industriell hergestellt wurden. In der mittlerweile zurückgezogenen DIN 68700 wurden sie schon vor rund 50 Jahren genormt und zählen damit zu den „bewährten und gebräuchlichen“ Baustoffen.

Technische Regelwerke und Kennzeichnung

Seit 2001 erfolgt der Verwendbarkeitsnachweis durch die Zertifizierung gemäß europäischer Norm DIN EN 13171 [01]. Da diese Norm lediglich eine Stoffnorm ohne anwendungsbezogene Anforderungen ist, wurde in der nationalen Norm DIN 4108-10 [02] festgelegt, welche Mindesteigenschaften des Dämmstoffes für bestimmte Bauanwendungen erforderlich sind. Für den Ansatz des günstigeren Bemessungswertes der Wärmeleitfähigkeit l der Kategorie II gemäß DIN V 4108-4 [03] ist derzeit in Deutschland eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) erforderlich. Holzfaserdämmstoffe, die neben der obligatorischen CE-Kennzeichnung ein Ü-Zeichen auf der Basis dieser abZ aufweisen, unterliegen neben der Eigenüberwachung durch den zertifizierten Hersteller zusätzlich einer amtlichen Fremdüberwachung.

Bereits bei der Ausschreibung des Dämmstoffes sind die konkreten Produkteigenschaften anzugeben und auf der Baustelle vom Verwender anhand des Beipackzettels zu kontrollieren.

Abb. 5 Muster eines Beipackzettels

Lieferformen

Genormte Holzfaserdämmstoffe werden derzeit ausschließlich in Plattenform hergestellt, teilweise auch diagonal geteilt als Dämmkeile. Das Plattenformat wird lediglich durch die Breite der Produktionsanlage beschränkt, meist sind dies 2.500 mm. Darunter sind zahlreiche, anwendungsorientierte Formate am Markt, die zum Teil auch die verschnittfreie Verarbeitung bei üblichen Baurastermaßen ermöglichen.

Beim Nassverfahren werden Dicken von 3 bis 32 mm produziert, wobei sich der Rohdichtebereich zwischen 100 und 300 kg/m³ bewegt. Um Dämmplatten größerer Dicke herzustellen werden mehrere Lagen werkseitig bis zu Dicken von 200 mm miteinander verklebt.

Beim Trockenverfahren werden Dicken von 20 bis 240 mm hergestellt, wobei sich der Rohdichtebereich zwischen 40 und 230 kg/m³ bewegt.

Bearbeitung

Vor allem die Holzfaserdämmplatten mit mehr als 100 kg/m³ Rohdichte lassen sich gut profilieren und werkseitig mit Nut- und Federverbindung oder Stufenfalz ausbilden, wie dies werkseitig z.B. für die Verwendung als Unterdeckplatten erfolgt. Auch der bauseitige Plattenzuschnitt erfolgt mit üblichen, vorzugsweise hartmetallbestückten Holzbearbeitungswerkzeugen

Notwendige Befestigungen können anwendungsspezifisch mit Breitkopfnägeln, Dämmstoffbefestigern oder Klammern bzw. Breitrückenklammern vorgenommen werden. Weitere Hinweise hierzu enthält der Abschnitt „Anwendungsbereiche HFD“.

Ökologie und Entsorgung

Von der Herstellung über die Verwendung bis zur Entsorgung wird die positive ökologische Bilanz von Holzfaserdämmstoffen vor allem dadurch bestimmt, dass ein nachwachsender Rohstoff aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern verwendet wird. Die meisten am Markt befindlichen Produkte verfügen heute über eine anerkannte bauökologische Zertifizierung wie z.B. natureplus© [04]. Dadurch wird die besonders hohe Qualität in Bezug auf Gesundheit, Umwelt und Funktion über den gesamten Produktzyklus bescheinigt. Hinsichtlich der Entsorgung können Restmengen und Dämmplatten aus Abbruch oder Rückbau beispielsweise von holzverarbeitenden Betrieben, die über Feuerungsanlagen mit mind. 50 kW Nennwärmeleistung verfügen, verbrannt werden [05].

Zerkleinerte Materialreste von nicht für spezielle Einsatzzwecke hydrophobierten Holzfaserdämmplatten können sogar kompostiert werden.

Wärmeleitfähigkeit

Kennzeichnend für den Wärmeschutz ist eine möglichst niedrige Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffes. Gemäß der Stoffnorm deklariert der Hersteller einen Nennwert der Wärmeleitfähigkeit λD. Aus diesem Nennwert wird der für Wärmeschutznachweise maßgebliche Bemessungswert λ abgeleitet. Wie bei vielen anderen gebräuchlichen Dämmstoffen liegt bei Holzfaserdämmplatten der Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit λ bei 0,039 bis 0,045 W / (m K). Lediglich Produkte mit höherer Rohdichte und Festigkeit für bestimmte Anwendungszwecke, z.B. Unterdeckplatten, liegen im Bereich von 0,045 bis 0,055 W / (m K).

Handelt es sich um Dämmstoffe, die lediglich CE-gekennzeichnet sind, entsprechen sie der Kategorie I nach DIN V 4108-4 [03] und erhalten zur Bestimmung des Bemessungswertes einen Sicherheitszuschlag von 20 % sowie einen materialspezifischen Feuchtezuschlag auf den Nennwert der Wärmeleitfähigkeit λD.

Holzfaserdämmstoffe, die darüber hinaus eine Ü-Kennzeichnung mit Fremdüberwachung auf Basis einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung Z-23.15-XXXX aufweisen, entsprechen der Kategorie II nach DIN V 4108-4 [03] und erhalten nur einen Sicherheitszuschlag von 5 % sowie den materialspezifischen Feuchtezuschlag von 2 %.

[01]DIN EN13171:2009-02 Wärmedämmstoffe für Gebäude – Werkmäßig hergestellte Produkte aus Holzfasern (WF)
[02]DIN 4108-10:2008-06 Anwendungsbezogene Anforderungen an Wärmedämmstoffe
[03]DIN V 4108-4:2007-06 Wärme- und feuchteschutztechnische Bemessungswerte
[04]natureplus-Vergaberichtlinien 0104 „Holzfaserdämmplatten für das Bauwesen“, Ausgabe 2006-2, und 0201 „Poröse Holzfaserplatten“, Ausgabe 2003-11, natureplus e.V., Neckargemünd
[05]Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV)