Produkteigenschaften und Anforderungen

Die heute bekannten Holzfaserdämmstoffe sind aus den Holzweichfaserplatten bzw. porösen Holzfaserplatten hervorgegangen, die bereits vor 85 Jahren erstmals industriell hergestellt wurden. In der inzwischen zurückgezogenen DIN 68 700 wurden sie schon vor rund 50 Jahren genormt und zählen damit zu den „bewährten und gebräuchlichen“ Baustoffen.

Verwendbarkeitsnachweis und Kennzeichnung

Seit 2001 erfolgt der Verwendbarkeitsnachweis durch die Zertifizierung gemäß harmonisierter europäischer Norm DIN EN 13 171 [03]. Da diese Norm lediglich eine Stoffnorm ohne anwendungsbezogene Anforderungen ist, wurde in der nationalen Norm DIN 4108-10 [04] festgelegt, welche Mindesteigenschaften des Dämmstoffes für bestimmte Bauanwendungen erforderlich sind. Erläuterungen hierzu enthält Abschnitt 4.2. Plattenförmige Holzfaserdämmstoffe sind in DIN EN 13 171 geregelt. Auf der Basis der Leistungserklärung werden sie mit dem CE-Kennzeichen gekennzeichnet. Die Berechnung des Rechenwertes der Wärmeleitfähigkeit ist vollumfänglich in DIN 4108-4 [05] geregelt. Eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung der Reihe Z-23.15- XXXX mit ergänzender Ü-Kennzeichnung ist nicht mehr erforderlich. Ein Beipackzettel mit CE-Zeichen ist in Abbildung 5 wiedergegeben.

Abb. 5a Keymark

Das europaweit vereinheitlichte freiwillige CEN-Zertifizierungsverfahren Keymark (siehe Abb. 4) dokumentiert darüber hinaus, dass der Hersteller nicht nur die gesetzlichen Anforderungen der CE-Kennzeichnung erfüllt, sondern alle im Kennzeichnungsschlüssel nach DIN EN 13171 genannten Eigenschaften zusätzlich und freiwillig durch unabhängige Prüfinstitute überwacht werden, siehe auch [06].

Dies schafft Vertrauen bei Anwendern und Verbrauchern, und zwar europaweit.

Bereits bei der Ausschreibung des Dämmstoffes sind die konkreten Produkteigenschaften anzugeben und auf der Baustelle vom Verwender anhand des Beipackzettels zu kontrollieren.

Abb. 5 Muster eines Beipackzettels

Lieferformen

Holzfaserdämmstoffe werden als Platten, Matten und in loser Form hergestellt. Das Format der Platten und Matten wird lediglich durch die Breite der Produktionsanlage beschränkt und kann bis zu 2.500 mm betragen. Darunter sind zahlreiche, anwendungsorientierte Formate am Markt, die zum Teil auch die verschnittfreie Verarbeitung bei üblichen Baurastermaßen ermöglichen.

Beim Nassverfahren werden Dicken von etwa 3 bis 32 mm produziert, wobei sich der Rohdichtebereich zwischen 100 und 300 kg/m³ bewegt. Um Dämmplatten größerer Dicke herzustellen werden mehrere Lagen werkseitig miteinander verklebt.

Im Trockenverfahren werden Dicken von 20 bis 300 mm Rohdichten von 40 bis 230 kg/m³ hergestellt.

Bearbeitung

Vor allem die Holzfaserdämmplatten mit mehr als 100 kg/m³ Rohdichte lassen sich gut profilieren und mit Nut- und Federverbindung oder Stufenfalz ausbilden, wie dies werkseitig z. B. fürdie Verwendung als Unterdeckplatten erfolgt. Auch der bauseitige Plattenzuschnitt erfolgt mit üblichen, vorzugsweise hartmetallbestückten Holzbearbeitungswerkzeugen

Notwendige Befestigungen können anwendungsspezifisch mit Breitkopfnägeln, Dämmstoffbefestigern oder Klammern bzw. Breitrückenklammern vorgenommen werden. Weitere Hinweise hierzu enthält Abschnitt 4.

Ökologie und Entsorgung

Von der Herstellung über die Verwendung bis zur Entsorgung wird die positive ökologische Bilanz von Holzfaserdämmstoffen vor allem dadurch bestimmt, dass ein nachwachsender Rohstoff aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern verwendet wird. Die meisten am Markt befindlichen Produkte verfügen heute über freiwillige bauökologische Zertifizierungen anerkannter Organisationen. Dadurch wird die besonders hohe Qualität in Bezug auf Gesundheit, Umwelt und Funktion über den gesamten Produktzyklus bescheinigt.

Hinsichtlich der Entsorgung können Restmengen und Dämmplatten aus Abbruch oder Rückbau beispielsweise von holzverarbeitenden Betrieben, die über Feuerungsanlagen mit mind. 30 kW Nennwärmeleistung verfügen, verbrannt werden [07].

Ein Recycling von nicht verunreinigten Plattenresten ist prinzipiell möglich.

Zerkleinerte Materialreste von Holzfaserdämmplatten können auch kompostiert werden.

Abb. 12

Abb. 15a

Wärmeleitfähigkeit

Kennzeichnend für den Wärmeschutz ist eine möglichst niedrige Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffes. Gemäß der Stoffnorm deklariert der Hersteller einen Nennwert der Wärmeleitfähigkeit λD. Aus diesem Nennwert wird gemäß DIN 4108-4 der für Wärmeschutznachweise maßgebliche Bemessungswert lB abgeleitet. Wie bei vielen anderen gebräuchlichen Dämmstoffen liegt bei Holzfaserdämmplatten der Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit λB zwischen 0,038 und 0,05 W/(m·K).

[03]DIN EN 13171:2015-04, Wärmedämmstoffe für Gebäude – Werkmäßig hergestellte Produkte aus Holzfasern (WF)
[04]DIN 4108-10:2015-12, Anwendungsbezogene Anforderungen an Wärmedämmstoffe
[05]DIN 4108-4:2017-03, Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden – Teil 4: Wärme- und feuchteschutztechnische Bemessungswerte
[06]Merkblatt Deklaration der Wärmleitfähigkeit von Holzfaserdämmstoffen, 2. Auflage 2017, Verband Holzfaser Dämmstoffe e. V., Wuppertal
[07]Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV)