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Intelligentes Dämmen

Ein Positionspapier des Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V.

Position 1
Intelligente Verbundlösungen statt „Dämmstoffdickenolympiade“

Der Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V. ist der Zusammenschluss der Hersteller von Holzfaserdämmstoffen und Wärmedämmverbundsysteme auf der Basis dieser Dämmstoffe (Holzfaser-WDVS).

Holzfaserdämmstoffe werden ressourcenschonend und unter Einsatz eines großen Anteils erneuerbarer Energien aus Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern hergestellt. Die Hersteller von Holzfaserdämmstoffen fühlen sich dem Umweltschutzgedanken und dem wohngesunden Bauen verpflichtet.

Die im Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V. organisierten Hersteller sprechen sich gegen den Zwang zu immer größeren Dämmstoffdicken aus und sehen sich damit aus nachfolgend erläuterten Gründen als Protagonisten intelligenter Verbundlösungen für energieeffizientes Bauen.

Position 2
Intelligentes Dämmen: Multitasking-fähig

Bauherren und Gesellschaft haben vielfältige Ansprüche an die Dämmung von Gebäuden:

  • Die Gebäude sollen ganzjährig behaglich sein.
  • Investitionen in eine energetische Sanierung müssen sich amortisieren. Dämmmaßnahmen müssen bezahlbar sein und die Haushalte durch Reduzierung der Energiekosten für Heizung und Kühlung dauerhaft finanziell entlastet werden.
  • Bei Sanierungen soll der Schallschutz durch Zusatzdämmungen möglichst verbessert, in keinem Fall aber verschlechtert werden.
  • Die Umweltlasten über den gesamten Nutzungszyklus sollen gering sein, d.h. endliche Ressourcen sollen durch die Herstellung der Baustoffe, die Erstellung, Nutzung und Abriss des Gebäudes geschont und der CO₂ Ausstoß minimiert werden. Dämmmaßnahmen sollten am Ende der Nutzungsdauer nicht zu nicht recycelbaren oder thermisch verwertbaren Abfällen führen.
  • Baustoffe aus heimischen Rohstoffen sollten bevorzugt werden, um die Abhängigkeit von Rohstoffimporten zu reduzieren und positive Effekte für den Arbeitsmarkt zu nutzen.

Dämmen hat viele Facetten. Daher dürfen sich Fördermaßnahmen und Steuererleichterungen nicht alleine an den Erfordernissen des winterlichen Wärmeschutzes orientieren.

Der Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V. setzt sich für eine Förderung von Energiesparmaßnahmen auf der Basis eines ganzheitlichen Kriterienkataloges ein.

Position 3
Intelligentes Dämmen: Gut vorbereitet

Jedes Gebäude, jede Bauaufgabe ist anders. Wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz bedürfen eines Gesamtkonzepts, das durch Energieberater mit ausreichender Expertise erstellt wird. Dabei werden alle möglichen Maßnahmen der Energieeinsparung, wie Dämmmaßnahmen oder moderne Heizsysteme, berücksichtigt.

Ein gutes Gesamtkonzept macht die Kosten/Nutzenrelationen der möglichen Einzelmaßnahmen transparent und schlägt auch die sinnvolle Reihenfolge für eine schrittweise Sanierung vor. Somit liefert es den Bauherren alle für seine Entscheidungen notwendigen Informationen.

Der Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V. setzt sich für die weitere Förderung der Energieberatung von Bauherren und Investoren ein.

Position 4
Intelligentes Dämmen: Nachweislich und dauerhaft gut

Gebäude müssen sich den Bedürfnissen ihrer Bewohner anpassen: Nutzer wünschen größere, im Winter wie im Sommer behagliche Wohnungen mit gutem Schallschutz. Die Anforderungen junger Familien unterscheiden sich dabei selbstverständlich von denen älterer Menschen.

Intelligente Dämmmaßnahmen dürfen einen späteren Umbau nicht behindern. Sie müssen eine schrittweise Sanierung bei möglichst geringer Beeinträchtigung der Nutzung während der Baumaßnahmen ermöglichen. Sie müssen darüber hinaus dauerhaft sein und daher dokumentiert werden.

Der Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V. setzt sich dafür ein, dass insbesondere geförderte Dämmmaßnahmen sorgfältig geplant und ihre Umsetzung dokumentiert und kontrolliert werden.

Position 5
Intelligentes Dämmen: Bezahlbar gut

Intelligente Dämmmaßnahmen spart Geld, erfordert aber zunächst Investitionen. Auch bei einer schrittweisen Sanierung unnötige Folgekosten durch später erforderlich werdende Nachbesserungen durch die Erstellung eines Gesamtkonzepts vermieden werden.

Ein besonderes Augenmerk sollte auf Folgekosten durch Pflege und Entsorgung am Ende der Nutzungsdauer gelegt werden. Wie oft muss z.B. ein Wärmedämmverbundsystem während der Nutzungsdauer des Gebäudes saniert werden? Wie häufig ist es zu streichen? Intelligente Dämmsysteme haben eine hohe Nutzungsdauer bei geringem Pflegeaufwand.

Der Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V. sieht die derzeit niedrige Sanierungsquote als bedenklich an und sieht den Grund in einem bereits heute für viele Besitzer nicht mehr bezahlbaren Anforderungsniveau. Aus Sicht des Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V. ist es volkswirtschaftlich und umweltpolitisch sinnvoll, Sanierungsmaßnahmen mit geringerer Energieeffizienz zuzulassen, dadurch aber die Sanierungsquote deutlich zu steigern. Auch aus beschäftigungspolitischen Erwägungen sollten zudem Sanierungsmaßnahmen in einem stärkeren Maße steuerlich gefördert werden.

Der Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V. setzt sich für abgestufte Anforderungen an die Energieeffizienz bei Sanierungen ein.

Sanierungsmaßnahmen mit besonders hoher Energieeffizienz sollten durch abgestufte Fördermaßnahmen unterstützt werden.

Stärkere steuerliche Anreize zur Sanierung von Gebäuden sind erforderlich.

Position 6
Intelligentes Dämmen: Glanz und Innere Werte

Die Erhaltung alter Gebäude erfordert die dauernde Nutzung. Daher müssen diese bauphysikalisch für die heutigen Anforderungen ertüchtigt werden. Der Zielkonflikt einer energetischen Sanierung und des Erhalts des Erscheinungsbildes kann in vielen Fällen durch so genannte Innendämmungen gelöst werden. Aus bauphysikalischen Gründen, aber auch um die Nutzfläche des Gebäudes nicht zu sehr zu reduzieren, kann mit Innendämmungen i.d.R. nicht die heute geforderte Energieeffizienz erreicht werden. Sinnvoll ist in solchen Fällen eine energetische Sanierung mit geringerem Energieeinsparniveau.

Der Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V. setzt sich für die Vereinbarkeit von Energie- und CO₂ Einsparzielen und dem Erhalt des Erscheinungsbildes der Innenstädte ein.

Position 7
Intelligentes Dämmen: Vorfahrt für Sanierer

Besonders im innerstädtischen Bereich führen die heute üblichen zusätzlichen Dämmstoffdicken häufig zur Überschreitung von in Bebauungsplänen vorgeschriebenen Firsthöhen, zur Unterschreitung vorgeschriebener Grenzabstände oder zur Überbauung von Nachbargrundstücken. Zwar lassen einzelne Landesbauordnungen sowie zahlreiche Städte und Gemeinden bei energetischen Sanierungen Ausnahmen von den Vorgaben der Bauordnung bzw. der Bebauungspläne zu. Es fehlt aber ein allgemein verbindlicher Rechtsrahmen.

Der Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V. setzt sich für eindeutige bauordnungsrechtliche Regelungen für die Überbauung von Nachbargrundstücken sowie die Überschreitung vorgeschriebener Höhen und Abstandsflächen ein.