Anwendungsbereich Wand

 

 

 

Außenwände

Holzfaserdämmstoffe können bei nahezu allen Bauarten von Außenwänden Anwendung finden. Zum Beispiel als Gefachdämmung bei hohlraumbildenden Konstruktionen wie Holzständer-, Holztafel- oder Holzrahmenbauweise sowie als zusätzliche raumseitige und/oder außenseitige Dämmschicht bei diesen Wänden. Bei massiven Wandbauarten aus Mauerwerk, Beton, Fertigteilen oder Massivholzelementen als homogene Dämmschicht hinter der Fassade oder als raumseitige Dämmung bei der Sanierung von Bestandsgebäuden.

Außenwände mit WDVS-Fassade

Die Anwendung als Wärmedämmverbundsystem (WDVS) im Holz- und Massivbau wird in dem separaten Abschnitt > Holzfaser-WDVS ausführlich beschrieben. Ergänzend steht die Broschüre des INFORMATIONSDIENST HOLZ „Holzfaser-Wärmedämmverbundsysteme“ des holzbau handbuches, Reihe 4, Teil 5, Folge 3 [31] als Download zur Verfügung.

Außenwände mit Vorhangfassaden

Bei Außenwänden in Holzständer-, Holztafel- oder Holzrahmenbauweise kann die Gefachdämmung gleichermaßen mit flexiblen Holzfaserdämmplatten oder Holzfaser-Einblasdämmstoff erfolgen.

Während bei den Wärmedämmverbundsystemen der dauerhafte Wetterschutz durch das auf die Dämmplatte abgestimmte Putzsystem erfolgt, besteht der Wetterschutz bei Außenwänden mit Vorhangfassade aus der eigentlichen Fassadenbekleidung sowie der dahinter liegenden „wasserableitenden Schicht“ im Sinne der Fachregeln des Zimmererhandwerks für Außenwandbekleidungen [67] bzw. der Hinweise für Außenwandbekleidungen des Dachdeckerhandwerks [22e]. Die Fassadenbekleidung allein schützt zwar vor der direkten Bewitterung der Wandkonstruktion, sie ist aber nicht unbedingt regendicht. Die notwendige Funktion der „wasserableitenden Schicht“ kann sehr gut von vergüteten Holzfaser-Unterdeckplatten übernommen werden, die damit gleichzeitig der Winddichtheit dienen. Praktisch ergeben sich die gleichen bauphysikalischen Vorzüge wie bei der Anwendung auf dem Dach, beispielsweise die Ausführung als „nachweisfreies Bauteil“ gemäß DIN 4108-3 [29]. Und auch hier kann für die Tragkonstruktion aus Holzständern und Wandbausystemen aus massivem Holz oder Holzwerkstoffen die GK 0 gemäß DIN 68800-2 [53] erreicht werden.

Abb. 42 | Flexibler oder loser Holzfaserdämmstoff als Gefachdämmung und Holzfaser-Unterdeckplatten als wasserableitende Schicht bei Außenwänden in Holzrahmenbauweise mit Vorhangfassaden Abb. 42 | Flexibler oder loser Holzfaserdämmstoff als Gefachdämmung und Holzfaser-Unterdeckplatten als wasserableitende Schicht bei Außenwänden in Holzrahmenbauweise mit Vorhangfassaden

Neben der Anwendung in der Holztafel-, Holzständer- und Holzrahmenbauweise kommen Holzfaserdämmplatten und Holzfaser-Unterdeckplatten auch als Fassadendämmung bei flächigen Wandbausystemen aus massiven Holz- und Holzwerkstoffelementen zum Einsatz. Dabei wird die Dicke der Dämmplatten den Erfordernissen des Wärmeschutzes angepasst und die Dämmschicht anschließend mit einer wasserableitenden Schicht aus Holzfaser-Unterdeckplatten abgedeckt. Die lastabtragende Befestigung erfolgt wie bei Aufsparrendämmungen über entsprechend dimensionierte Grundlatten, die mit bauaufsichtlich zugelassenen Holzbauschrauben befestigt werden.

Als Vorhangfassaden kommen z. B. Bretterschalungen, Schiefer, Schindeln und Platten sowie andere kleinformatige Bekleidungen in Betracht – außerdem großformatige Fassadentafeln und hinterlüftete Putzträgerplatten sowie Blechbekleidungen u.a.. Nach den Fachregeln [22e] [67] werden Außenwandbekleidungen zudem unterschieden in hinterlüftete, belüftete, nicht be- bzw. hinterlüftete sowie luftdurchlässige Bekleidungen. Zudem gibt es Außenwandbekleidungen mit offenen Fugen oder aus perforierten Bekleidungselementen, die zusätzliche Anforderungen mit sich bringen, wie beispielsweise die UV-Beständigkeit der dahinter liegenden Materialschicht. Auch hierfür bieten die Mitgliedsunternehmen dauerhafte Lösungen an.

Die Anwendung von Holzfaserdämmplatten bei Außenwänden in Holzbauweise mit Fassaden aus Mauerwerk-Vorsatzschalen ist in DIN 68800-2 [53] geregelt.

Abb. 43 | Holzfaserdämmplatten als Fassadendämmung und Holzfaser-Unterdeckplatten als wasserableitende Schicht bei Außenwänden in Massivholzbauweise mit Vorhangfassaden Abb. 43 | Holzfaserdämmplatten als Fassadendämmung und Holzfaser-Unterdeckplatten als wasserableitende Schicht bei Außenwänden in Massivholzbauweise mit Vorhangfassaden

Mit Fassadendämmungen auf Mauerwerkswänden erschließt sich dem Zimmererhandwerk ein weiteres interessantes Tätigkeitsfeld, vor allem, wenn anschließend Vorhangfassaden aus Holz angebracht werden.

Abb. 44 | Dicke Holzfaser-Unterdeckplatten als Fassadendämmung bei Außenwänden in Mauerwerksbauweise mit Vorhangfassaden Abb. 44 | Dicke Holzfaser-Unterdeckplatten als Fassadendämmung bei Außenwänden in Mauerwerksbauweise mit Vorhangfassaden

Neben der in Abb. 43  gezeigten Kombination aus Holzfaserdämmplatten und Holzfaser-Unterdeckplatten können wie in Abb. 44 gezeigt besonders rationell  nun auch Dämmschichten bis 240 mm Dicke aus nur einer Lage Unterdeckplatten verlegt werden.

Abb. 45 | Regelquerschnitt einer Außenwand in Holzrahmenbauweise mit Vorhangfassade Abb. 45 | Regelquerschnitt einer Außenwand in Holzrahmenbauweise mit Vorhangfassade Abb. 46 | Bauphysikalische Angaben für den Regelquerschnitt in Abb. 45 Abb. 46 | Bauphysikalische Angaben für den Regelquerschnitt in Abb. 45

Am Beispiel des Regelquerschnittes in Abb. 45 und eines beispielhaften Fensteranschlusses (Abb. 47 und 48) wird deutlich, dass sich mit Holzfaserdämmstoffen bei der Dämmung  von Außenwänden sehr günstige mittlere Bauteil-U-Werte erzielen lassen bei gleichzeitig wärmebrückenfreier Gebäudehülle. Der orientierende U-Wert für Außenwände wird beim GEG-Referenzgebäude [21] für neu zu errichtende, beheizte Wohngebäude mit 0,28 W/(m² K) angegeben. Dies gilt gleichermaßen für alle Wandbauarten. Darüber hinaus können mit Holzfaser gedämmte Außenwände auch die deutlich strengeren Anforderungen der KfW-Effizienzhäuser 55 und 40 sowie des Passivhaus-Standards erfüllt werden. Die orientierenden U-Werte hierfür sind in der Tabelle der Abb. 46 entsprechend hervorgehoben.

Abb. 47 | Ausführungsbeispiel für den seitlichen Fensteranschluss Abb. 47 | Ausführungsbeispiel für den seitlichen Fensteranschluss Abb. 48 | Wärmebrückennachweis für den seitlichen Fensteranschluss in Abb. 47 Abb. 48 | Wärmebrückennachweis für den seitlichen Fensteranschluss in Abb. 47

Innenwände

Für diese Anwendung von Holzfaserdämmstoffen kommen alle hohlraumbildenden Trennwandsysteme mit Holz- oder Metallständerwerk in tragender oder nicht tragender Ausführung in Betracht. Als Beplankungsmaterial können alle bekannten Bauplatten wie z. B. Gipskarton-, Gipsfaser- oder Holzwerkstoffplatten sowie zementgebundene Bauplatten verwendet werden. Herstellerabhängig stehen vorkonfektionierte flexible Holzfaserdämmplatten für besonders rationelle Verlegung im Rastermaß 62,5 cm zur Verfügung. Abhängig von der Art des Ständerwerkes und der Beplankung können  Trennwände mit bewerteten Schalldämm-Maßen bis Rw = 66 dB nach DIN 4109-33 [11] und mit Feuerwiderstandsklassen bis F 60-B nach DIN 4102-4 [17] hergestellt werden. Mit allen Holzfaserdämmstoffen können auch wärmedämmende Trennwände zwischen beheizten und nicht beheizten Räumen ausgeführt werden.

Abb. 49 | Flexible Holzfaserdämmplatten als Hohlraumdämmung bei tragenden und nicht tragenden Trennwänden mit Holzständerwerk (links) oder Metallständerwerk (rechts) Abb. 49 | Flexible Holzfaserdämmplatten als Hohlraumdämmung bei tragenden und nicht tragenden Trennwänden mit Holzständerwerk (links) oder Metallständerwerk (rechts)

Altbausanierung

Eine Sanierung von außen ist bei Außenwänden aus Gründen des Tauwasserschutzes und der Wärmebrückenvermeidung stets zu bevorzugen.

Sowohl Wände in Massiv- als auch in Holzbauweise, z.B. ältere Fertighäuser oder Fachwerk, können mit gedämmten Putz- oder Vorhangfassaden hinsichtlich Wärmeschutz, Hitzeschutz und Schallschutz erheblich verbessert werden. Dabei kommen die im Abschnitt „Außenwände“ vorgestellten Holzfaserdämmplatten sinngemäß zum Einsatz.

Vor Beginn einer Sanierung ist der Zustand der bestehenden Konstruktion bezüglich der statischen und bauphysikalischen Eignung stets sorgsam zu prüfen.

Abb. 50 | Sanierung einer Außenwand aus Vollziegel-Mauerwerk mit Holzfaser-Wärmedämmverbundsystem Abb. 50 | Sanierung einer Außenwand aus Vollziegel-Mauerwerk mit Holzfaser-Wärmedämmverbundsystem

Bei erhaltenswerten oder gar denkmalgeschützten Fassaden bietet die raumseitige Dämmung die einzige Möglichkeit zur energetischen Sanierung der Außenwände.

Abb. 51 | Historische Fachwerkfassaden in Marburg Abb. 51 | Historische Fachwerkfassaden in Marburg

Hierbei können zwei Konstruktionsprinzipien zur Anwendung kommen:

Zum einen eine Vorsatzschale mit flexiblen oder losen Holzfaserdämmstoffen als Gefachdämmung zwischen Holzständern, einer dampfbremsenden Ebene sowie einer abschließenden raumseitigen Beplankung, etwa aus Gipsplatten.

Zum anderen eine mit Ausgleichs- und Klebemörtel direkt auf die Außenwand vollflächig verklebte und ggf. zusätzlich angedübelte, druckfeste Holzfaserdämmplatte mit raumseitiger kapillaraktiver Putzbeschichtung, wie in den Abb. 52 und 53 gezeigt. Hierzu bieten die Hersteller abgestimmte Systemlösungen mit den erforderlichen Nachweisen an.

Abb. 52 | Sanierung einer Außenwand aus Vollziegel-Mauerwerk mit raumseitig angebrachten Holzfaserdämmplatten und Putzbeschichtung Abb. 52 | Sanierung einer Außenwand aus Vollziegel-Mauerwerk mit raumseitig angebrachten Holzfaserdämmplatten und Putzbeschichtung Abb. 53 | Energetische Sanierung im Bestand mit verputzbaren Innendämmsystemen Abb. 53 | Energetische Sanierung im Bestand mit verputzbaren Innendämmsystemen

BILDNACHWEIS

Dipl.-Ing. F. Förster
Abb. 42, 43, 44, 45, 46, 47, 50, 52

Dipl.-Ing. F. Förster & Bauwerk, Ingenieurbüro für Bauphysik
Abb. 48

Gutex Holzfaserplattenwerk H. Henselmann GmbH & Co. KG
Abb. 51, 53

Soprema GmbH NL Leutkirch
Abb. 49

[04] DIN 4108-2:2013-02  Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden - Teil 2: Mindestanforderungen an den Wärmeschutz
[11] DIN 4109-33:2016-07 Schallschutz im Hochbau – Teil 33: Daten für die rechnerischen Nachweise des Schallschutzes (Bauteilkatalog) – Holz-, Leicht- und Trockenbau
[16] DIN 4109-32:2016-07 Schallschutz im Hochbau – Teil 33: Daten für die rechnerischen Nachweise des Schallschutzes (Bauteilkatalog) – Massivbau
[17] DIN 4102-4:2016-05  Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen – Teil 4: Zusammenstellung und Anwendung klassifizierter Baustoffe, Bauteile und Sonderbauteile
[21] BMWi / BMU: Gesetzt zur Einsparung von Energie und zur Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden (Gebäudeenergiegesetz – GEG); 08-2020  (ersetzt ab 01.11.2020 EnEV sowie EnEG und EEWärmeG)
[22e] Deutsches Dachdeckerhandwerk – Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) – Fachverband Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik e.V.: Regelwerk DDH; Hinweise für Außenwandbekleidungen; 11-2019
[29] DIN 4108-3:2018-10  Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden - Teil 3: Klimabedingter Feuchteschutz - Anforderungen, Berechnungsverfahren und Hinweise für Planung und Ausführung
[31] Informationsdienst Holz: „Holzfaser-Wärmedämmverbundsysteme“,  holzbau handbuch, Reihe 4, Teil 5, Folge 3; 12-2017
[32] Soprema GmbH NL Leutkirch: PAVATEX-Wärmebrückenkatalog 2.2
[33] dataholz.eu: Außenwand awrhho07a-15; 05-2020
[38] ift Rosenheim GmbH: Forschungsprojekt „Wärmedämmverbundsysteme und Außendämmung aus nachwachsenden Rohstoffen zum Einsatz in der Altbausanierung – Prognose und Optimierung der schalltechnischen Eigenschaften“; 01-2014
[53] DIN 68800-2:2012-02  Holzschutz – Teil 2: Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau
[67] Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister (BDZ): Fachregeln des Zimmererhandwerks 01 - „Außenwandbekleidungen aus Holz“; 01-2020
[69] DIN EN 15206:2007-07  Wärme- und feuchtetechnisches Verhalten von Bauteilen und Bauelementen - Bewertung der Feuchteübertragung durch numerische Simulation; Deutsche Fassung EN 15026:2007